Naked Gin – Lets get Naked im Restaurant Meyer‘s Bonn  

Daniel Wartacz aus Bonn trinkt seinen Gin am liebsten nackt. Allerdings nicht nackt wie unter der Dusche, sondern eher im Sinne von pur; sprich ohne Tonic, der vom eigentlichen Geschmack des komplexen Destillats ablenkt. Ein schönes Glas, einen großen Eiswürfel und ein kleiner Strauch Rosmarin – so empfiehlt er den Genuss seines Naked Gin. 

Der Macher des Naked Gin lässt die Hüllen fallen.

290 Flaschen der eigenen Komposition füllte er im Sommer ab, benannt nach den 290 Gemeinden Schwedens – seiner zweiter Heimat und wichtigen Inspirationsquelle. Der Inhalt: aus hochwertigsten Zutaten und mit traditionellen Methoden gebrannt. Die schlichte Flasche: von Hand nummeriert, gelabelt und gesiegelt, auf dem heimischen Wohnzimmertisch. „Nicht neu, aber besser“, lautet der charmante Slogan. „Mein Traum war es, etwas Eigenes in Handarbeit entstehen zu lassen“, sagt Daniel Wartacz, der lange in der Wein- und Spirituosen-Branche tätig war und heute als Vertriebsleiter beim Bonner Start-up-Wunder True Fruits arbeitet. Aber warum gerade Gin?

Es war einmal

„Schuld“ ist seine Großmutter, die zu besonderen Anlässen am liebsten Gin Tonic trank. Die Familie nannte sie liebevoll Queen Mum; in Anspielung auf die britische Monarchin, der man ähnliche Getränkevorlieben nachsagte. Kein Wunder also, dass das britische Mischgetränk lange ein „tantiger“ Ruf umwehte. Das Interesse des Enkels weckte es daher nicht. Zumindest noch nicht. Das sollte sich schlagartig ändern, als er Jahre später – und längst den Kinderschuhen entwachsen – die ersten richtig guten Gins entdeckte. Neugierig probierte sich Daniel Wartacz durch das Sortiment so mancher Bar, wissensdurstig durchstöberte er die Regale gut sortierter Supermärkte. Die Auswahl war alles andere als klein. Von seinem staubigen Image befreit, steuerte der Gin gerade auf eine waschechte Renaissance zu. Der anspruchsvolle Genießer wurde trotzdem nicht fündig. Der perfekte Gin, mit facettenreichen, komplexen Aromen und dennoch rund im Geschmack, existierte lange nur in seinem Kopf. Bis er sich eines Tages an die Arbeit machte.

Nicht neu, aber besser

Die Geschichte des Naked Gin begann mit sechs Basisproben, die aus verschiedenen Grundzutaten destilliert wurden: Wacholder zum Beispiel, aber auch Orangenzeste, Muskat oder Lavendel. Dazu kombinierte Daniel Wartacz verschiedenste Kräuter. Er schlürfte, schnüffelte, mischte – bis er seinen Stil gefunden hatte. Eine Komposition, die ihn an die vielen glücklichen Sommer in Schweden erinnerte. „Geschmäcker sind verschieden“, sagt er. „Ich habe mich ganz auf meine Vorlieben und auf meinen Qualitätsanspruch verlassen.“ Mit seiner Grundidee machte sich der Tüftler auf die Suche nach einer passenden Destillerie und fand einen Brennmeister, der nicht nur sein Handwerk versteht, sondern auch Feuer und Flamme war, Neues auszuprobieren. Gemeinsam erweckten sie das sorgsam komponierte Rezept zum Leben. Insgesamt 21 Zutaten – der Experte spricht von Botanicals – landeten in der Brennblase: Wacholderbeeren aus Italien zum Beispiel, deutlich größer und kräftiger im Geschmack als ihre deutschen Geschwister. Aber auch Lavendel aus der Provence hat großen Einfluss auf das Aroma des Nacked Gin. Schlehen verleihen ihm eine natürliche Süße, die hervorragend mit der Würze des schwarzen Pfeffers harmoniert. Ingwer bereichert die Komposition um das gewisse Etwas. Sämtliche Botanicals sind aufwändig ausgewählt und hochwertig verarbeitet; künstliche Zusätze und Aromen ein absolutes No-Go. Das hat natürlich seinen Preis.

»Nicht neu, aber besser« Daniel Wartacz über seinen Naked Gin

Do it yourself

Der liegt im Supermarkt bei fast 60 Euro pro halbem Liter. Kein Schnäppchen also. Sondern „nackter“ Luxus für Menschen, die sich mit Lebensmitteln beschäftigen, die Wert auf Qualität legen und nach etwas Besonderem suchen. „Es sollte nicht um den Preis des Gins gehen“, sagt Daniel Wartacz. „Sondern um seinen Wert.“ Dieser wird nicht nur von den hochwertigen Zutaten bestimmt, sondern auch von der limitierten Abfüllung und vor allem der aufwändigen Handarbeit. Hier kümmert sich keine Maschine um die Etikettierung, kein Mitarbeiterstab um die Verpackung und auch keine Werbeagentur um das Design. Jeden Arbeitsschritt übernimmt der Erfinder höchstpersönlich. In seinem Wohnzimmer stapeln sich Kartons, Siegelmasse verklebt seinen Küchentisch. Inhaber und „erster Alles“ nennt er sich im Scherz. So wollte er es immer haben.

To be continued 

Bald wird auch die letzte der 290 Flaschen das Lager im heimischen Keller verlassen haben. Wie soll es dann weitergehen? Noch sei nichts endgültig entschieden, beteuert der Tüftler. An Ideen mangelt es ihm jedoch nicht, und die haben nicht unbedingt etwas mit Gin zu tun. Den Namen seiner Manufaktur hat Daniel Wartacz bewusst offen formuliert. Hauptsache handgemacht, lautet die Devise, und zu 100 Prozent „auf eigenem Mist gewachsen“. Natürlich soll es auch in Sachen Gin eine Fortsetzung geben. Vielleicht mit einer Sonderedition oder einer weiteren limitierten Abfüllung. Wir dürfen also gespannt sein.